46% des Auslandsvermögens ist verloren

theeuropean.de / Bild von Jan Roeder, lizensiert unter CC-BY-SA

Der Euro ist quasi ein Rettungsschirm für Südeuropa

Die nächste Finanzkrise sei nicht fern, prognostiziert Professor Hans-Werner Sinn. Rund 46 Prozent des deutschen Auslandsvermögens seien bereits verschwunden. Dies liege vor allem an den hohen Target-2-Forderungen der deutschen Bundesbank, die letztlich niemals einlösbar seien.

Auf der Anlegermesse »Invest« in Stuttgart machte der Wirtschaftswissenschaftler Professor Hans-Werner Sinn eine interessante Bemerkung. Seiner Informationen nach seien rund 46 Prozent des deutschen Auslandsvermögens für immer unwiederbringlich verloren (siehe Bericht von Oliver Baron auf »godmode-trader.de«). Dieses Auslandsvermögen war über viele Jahre durch die Handelsbilanzüberschüsse entstanden.

Wie kommt das? Als Grund habe Sinn die hohen Target-2-Forderungen der deutschen Bundesbank genannt. Diese würden sich auf mehr als 923 Milliarden Euro belaufen. Das seien, so Sinn, rund 46 Prozent des deutschen Auslandsvermögens.

Wie entstehen diese hohen Target-2-Salden? Sie entstehen durch Ungleichgewichte im EU-Binnenhandel. Dadurch häufen die Notenbanken hohe Verbindlichkeiten gegenüber der EZB an.Das Nettoauslandsvermögen durch die historischen Exportüberschüsse der Bundesrepublik ist quasi halbiert worden, weil die Target-2-Forderungen der Bundesbank letztlich niemals einlösbar seien und deshalb auf null abgeschrieben werden müssten, erklärte Sinn. Das Problem sei, dass die Targetschuldnerländer einen Zins tragen, der von den Schuldnern quasi auf null fesgtelegt wurde. Das Geld sei damit heute schon weg.

Die großen Finanzkrisen und die Euro-Krise seien nur scheinbar überwunden. Die Pläne zur Bankenunion und das Gerede um die Einlagensicherung seien nach Hans-Werner Sinn nur ein Reflex darauf und würden zeigen, wie drängend die Angelegenheit sei.

Hans-Werner Sinn sieht die Probleme schon in der Grundkonstruktion des Euro-Gebildes angelegt. Die südeuropäischen Staaten Portugal, Spanien, Italien und Griechenland seien eigentlich schon zu Beginn des Euros fast pleite gewesen. Der Euro selbst sei, so argumentiert Sinn, eigentlich eine Art »Rettungschirm« für Südeuropa. Weiter argumentierte Sinn, dass die niedrigen Zinsen in der Euro-Zone eine Art künstlichen Boom ausglöst hätten. Doch dann bröckelte das System. Am Ende habe es durch die EZB faktisch eine Vergemeinschaftung der Schulden in der Eurozone gegeben.

Bereits vor fünf Jahren schrieb Gérard Bökenkamp auf »eigentümlich frei«, dass die Nordstaaten eigentlich mit einem Süd-Euro bezahlen. Im Laufe der Zeit haben die Südländer Verbindlichkeiten an die EZB angehäuft, die Nordländer Forderungen:

»Die Südländer pumpen Geld in den Kreislauf, Nordländer pumpen Geld ab. Die Südländer sammeln damit Verbindlichkeiten bei der EZB, die Bundesbank sammelt Forderungen bei der EZB. Diese Salden sind der Kern des Systems, das man als 'Target2' bezeichnet.«

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