»Russland und der Westen - Freunde oder Feinde?«

Gespräch mit Dr. Thomas Fasbender

Dr. Thomas Fasbender hat mehrere Jahrzehnte in Moskau gelebt und kennt Russland von innen her. In einem Interview mit »Freie Welt TV - Das ganze Bild« erörterte er mit Beatrix von Storch die Fragen, ob wir am Beginn eines kalten Krieges stehen und ob unser Bild von Russland überhaupt richtig ist.

Die Verteufelung Russlands ist in Deutschland vor allem durch die Mainstreammedien geprägt. Wir hingegen versuchen, das ganze Bild zu geben. Wer Russland verstehen will, muss um die ehemaligen Frontenstellungen im Kalten Krieg wissen. Die Feindschaft zwischen Russland und den USA wirkt bis heute weiter und der Westen wird in diesen Konflikt hineingezogen. Darüber hinaus ist es wichtig, Russlands handeln geopolitisch und nicht moralisierend zu beurteilen.

In den letzten 50 Jahren haben die Europäer stark an Macht eingebüßt, sagt Dr. Fasbender, und dieser Machtverlust setzt sich fort. Russland orientiere sich neu. Auch, weil das, was der Westen als Wertekanon vorgibt, ein objektives und realpolitisches Begegnen auf Augenhöhe zwischen Osten und Westen verhindert.

Der Westen begegne Russland meist mit der Moralkeule und gebe eine Definition vor, was Rechtsstaat, Demokratie und Menschenrechte seien. Mehr noch, man verlange von Russland, diese Deutungen zu übernehmen. Russland habe durch den Kalten Krieg im Unterbewußten der Westeuropäer die Position des Gegners eingenommen, der nicht nur als ein Interessengegner, sondern sogar als Wertegegner wahrgenommen wird.

Die schlichte Einteilung auf der geopolitischen Bühne in Gut und Böse trage aber nicht. Nach Dr. Fasbender sieht den Konflikt der EU mit Russland vor allem durch die Wertvorstellungen der Amerikaner bedingt. Die USA sehen sich selbst als höchste Moralinstanz in der Welt und ziehen andere Staaten in ihre Konflikte hinein. Für die EU-Länder hingegen gibt es keinen grundsätzlichen Interessenkonflikt mit Russland. Insofern sind auch die Sanktionen der EU gegen Russland eine Verlängerung des Konfliktes der Amerikaner mit den Russen. Und ein Ende dieses Konfliktes ist nicht in Sicht, denn die Russen haben Trump mittlerweile aufgegeben.

Deutschland befindet sich für Dr. Fasbender in seinem Verhältnis zu Russland in einer Sackgasse. Auch Merkel vertritt einen Kurs, der sich modern und fortschrittlich gibt, der sich aber vor allem nach us-amerikanischen Vorstellungen richtet und das Eigeninteresse Deutschlands hintanstellt. Eine Brücke zwischen Westen und Osten wird Deutschland nicht bauen. Zumal die Medien in Deutschland jeden Versuch eine Annäherung vehement bekämpfen.

Teil I des Interviews sehen Sie hier

Teil II des Interviews sehen Sie hier

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